Vorlagen: was verbindet

Gottesdienstentwurf

Im Jahr des Reformationsjubiläums 2017 hat sich geistlich viel bewegt. Immer wieder hat sich gezeigt: Christus ist die Mitte, die uns verbindet. Die Kraft seiner Versöhnung  macht uns frei und lässt uns neu aufeinander zugehen. Unter diesem Vorzeichen kann auch im Jahr der Pandemie ein Gottesdienst gefeiert werden, der bereits 2016 veröffentlicht wurde in: Jochen Arnold/Fritz Baltruweit/ Kathrin Oxen: Reformation erinnern, predigen und feiern, 109-119. Er steht hier in leicht modifizierter Form zum Dowload zur Verfügung. Da in diesem Jahr aufgrund der geltenden Einschränkungen nicht wie gewohnt Gottesdienste gefeiert werden, ist es auch gut möglich, nur einzelne Bausteine für die Gottesdienstgestaltung zu verwenden.

Materialien des RPI

Viele Materialien, Vorträge, Veröffentlichungen und eine Ausstellung aus einer Lernwerkstatt finden Sie auf der Website des Religionspädagogischen Instituts Loccum (rpi)
Die Seite wird nach und nach erweitert. 

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Was verbindet – und trennt

Das diesjährige Leitmotiv des niedersächsischen gesetzlichen Feiertages zum Reformationsjubiläum lautet „was verbindet“. Ich lege mir das Thema ein wenig zurecht: „Was trennt – und was verbindet“. Unbestritten ist, dass es Verbindendes gibt. Aber es sollten auch soziale Erosionskräfte in den Blick genommen werden, nur so können sie begrenzt und eingehegt werden.
Trennendes scheint mir in der gegenwärtigen Krisensituation so wirksam zu sein, dass es angesprochen werden sollte. Damit meine ich gesellschaftliche Trennlinien z. B. zwischen Maskenträgern und -verweigerern, zwischen Anhängerinnen und Anhängern noch so kruder Corona bezogener Verschwörungstheorien und denen, die ihren eigenen Verstand gut kantianisch selbst gebrauchen, zwischen denen, die sich gegen den Klimawandel engagieren (und das nicht nur in der Fridays-for-Future-Bewegung) und denen, die nach wie vor fossile Brennstoffe und andere Ressourcen unseres Planeten so verbrauchen, als seien sie unbegrenzt verfügbar. Ich nehme Trennendes wahr zwischen unterschiedlichen politischen Parteien – das ist normal und vom Grundgesetz her gewollt -, tatsächlichen und selbst ernannten Fachleuten des Krisenmanagements, zwischen Mitgliedern derselben Familie, Nachbarschaft, Kirche. Ich habe einen massiven Konflikt begleitet, bei dem es statt Argumenten beleidigende persönliche Angriffe in verschiedene Richtungen gab. Die Tatsache unterschiedlicher Meinungen und Haltungen in der aktuell zu bewältigenden Lage ist per se nichts Falsches oder Ungewöhnliches. Aber wenn es zu regelrechten Verwerfungen und tiefen Gräben zwischen den Diskussionspartnerinnen und –partnern kommt, wird es schädlich für den Zusammenhalt unseres Gemeinwesens im Kleinen wie im Großen.
Gegen diese Spaltungstendenzen helfen wohl nicht das große Wort, die große Geste. Unser Alltag setzt sich aus millionenfachen Begegnungen von Menschen zusammen, die positiv oder negativ getönt ablaufen und so Gemeinsames oder Trennendes stiften. Es kommt auf jede einzelne, jeden einzelnen an, darauf, welche Spuren wir in unserem Handeln, Reden und Denken hinterlassen. Jetzt ist die Zeit, Gemeinsames zu betonen. Was es sein kann? Zum Beispiel das inhaltliche Ernstnehmen der christlichen Anrede als Schwester oder Bruder. Nach der biblischen Schöpfungsgeschichte der Genesis sind wir alle Geschwister. Man könnte hinzufügen: Ob es uns passt oder nicht. Auch der unbequeme, anstrengende, wiederholter Zuwendung und Aufmerksamkeit bedürftige Mensch ist Gottes Geschöpf und mir Schwester oder Bruder – wenn ich meinen Glauben konkret werden lasse. Dann sollte ich auf diesem guten Grund Gemeinsames wirken lassen und die herausfordernden Debatten führen – mindestens so lange, wie mein Gegenüber zwar anderer Meinung, aber ehrlichen, guten Willens ist. Und das unterstelle ich nahezu allen, mit denen ich auch nicht konsensual im Austausch über unsere gesellschaftlichen Anforderungen bin. Der Gedanke gilt natürlich auch in meine Richtung. Ich bin auch Mensch und möchte entsprechend geschwisterlich behandelt werden. Dann wäre unser biblisch gedachtes Verhältnis das verbindende zwischen uns. - - -

P. Frank Waterstraat - Leiter des Kirchlichen Dienstes in Polizei und Zoll der Konföderation ev. Kirchen in Niedersachsen