Entwurf Dallmeier

Bausteine zu einem Familiengottesdienst mit Abendmahl nach einer Vorlage aus der St. Antoniuskirche Immensen

Inhalt:

  • „Was zählt“ – Impuls
  • Praktische Hinweise
  • Ablauf des Gottesdienstes
  • Bausteine:
    • Meditation zu Beginn
    • Hinführung und Gebet – mit Darreichung der Gaben durch Konfirmand:innen
    • Biblische Erzählung: Die Emmaus-Jünger (Lukas 24,13-35)
    • Einsetzungsworte in leichter Sprache
    • Dank und Fürbitte

 

 

„Was zählt“ - Impuls

Nach vielen Monaten Vereinzelung, Abstand und Angst vor zu viel Nähe zählt mehr denn je die Gemeinschaft: Die Erfahrung, dass wir zusammengehören, gerade wenn wir das Zusammensein noch immer nicht in gewohnter Weise ausleben können.

Das Abendmahl ist eine ausdruckstarke Form der Gemeinschaft, die wir auch in Pandemiezeiten feiern können. Gemeinschaft mit Gott und Gemeinschaft mit anderen Christinnen und Christen ist ohne engen (körperlichen) Kontakt möglich. Zugleich ist die körperliche Nähe im kleinen Kreis rund um einen Tisch unproblematisch für Menschen, die sich auch im Alltag nahestehen (z.B. Familien). Deshalb wird hier das Abendmahl im Familiengottesdienst vorgeschlagen.

Die praktische Durchführung des Abendmahls findet in kleinen „Zellen“ statt, d.h. an einzelnen Tischen innerhalb der großen Gemeinschaft im Kirchraum. Diese Form bringt beides zusammen: gespürte Nähe und fürsorgliche Distanz.

Was zählt am Reformationstag 2021? Es zählt, dass wir zusammen sind (Nähe) und aufeinander achten (fürsorglicher Abstand). Gerade im Familiengottesdienst sind die Kinder – die größte Gruppe derer, nicht noch nicht geimpft werden können – geschützt in der Mitte von ihnen nahestehenden Menschen.

 

Praktische Hinweise

Dieser Gottesdienst wurde ursprünglich am Reformationstag 2018 gefeiert zur Einführung des Abendmahls mit Kindern in der St. Antoniusgemeinde Immensen. Die liturgischen Texte stammen von Pastor Thorsten Leißer.

Vor dem Gottesdienst hatten die Konfirmand:innen das Thema „Abendmahl“ durchgenommen und Brot gebacken. Sie übernehmen im Gottesdienst auch liturgische Aufgaben (Darreichung der Gaben und Fürbitten).

Liturgie und Liedauswahl sind klassisch gehalten, ausgerichtet auf einen traditionellen Gemeindegottesdienst. Auch wenn Kinder das Abendmahl mitfeiern, muss deshalb der Gemeindegottesdienst nicht nur aus „neuen“ Elementen bestehen. So kann die traditionelle Form einen Brückenschlag herstellen zwischen der vertrauten Form des Gottesdienstes und der vielleicht ungewohnten Teilnahme von Kindern am Abendmahl. Zugleich wurde in der Liturgie auf leichte Sprache geachtet; auch die Einsetzungsworte haben eine sprachliche Vereinfachung erfahren.

 

Bild siehe downlaod

Die Liturgie von 2018 wurde nun an die Situation unter Pandemiebedingungen angepasst: Statt des gemeinsamen Abendmahls im Altarraum sitzen die Familien und anderen Gottesdienstteilnehmer:innen rund um kleine Tische, die im Raum verteilt sind.

Bild siehe downlaod

Beispielhaft: Abendmahlstische mit Stühlen und auf Banklehnen beim Abendmahl in Pandemiezeiten, hier mit Hostien statt Brotstücken. (Fotos: Brigitte David)

Hat der Kirchraum Bänke, können mit Platten, die auf die Banklehnen gelegt werden, schöne Tische im Raum gestaltet werden. Auf den Tischen sind die Gaben bereits vorbereitet: Einzelkelche sowie Servietten mit zugeschnittenen Brotstücken, alternativ mit Hostien. 

Bei der Durchführung sind die jeweils aktuellen Empfehlungen der Landeskirche zur Feier des Abendmahls einzubeziehen: https://www.landeskirche-hannovers.de/evlka-de/presse-und-medien/nachrichten/2020/02/2020-02-28_2

 

Ablauf des Gottesdienstes

(Mit * markierte Elemente finden sich unten als Material)

 

Glockengeläut

Musik zu Beginn

Begrüßung und Votum

Eingangslied EG 168,1-3 „Du hast uns, Herr, gerufen“

*Meditation

Tagesgebet

*Biblische Erzählung: Die Emmausjünger (Lukas 24,13-35)

Lied EG 225 „Komm, sag es allen weiter“

Predigt

Lied EG 362 „Ein feste Burg ist unser Gott“

Abkündigungen

Lied EG 229 „Kommt mit Gaben und Lobgesang“

*Hinführung – mit Darreichung der Gaben durch Konfirmand:innen

Sanctus LW 75 „Du bist heilig“

*Einsetzungsworte in leichter Sprache

Agnus Dei – „Christe du Lamm Gottes“

Austeilung

*Dank und Fürbitte

Stilles Gebet

Vater unser

Schlusslied EG 168,4-6 „Wenn wir jetzt weitergehen“

Segen

Süßes und Saures für Kinder und Erwachsene

Musik zum Ausgang

Material (im Ablauf mit * gekennzeichnet)

 

 

Meditation zu Beginn

 

Es ist Abend.

Dreizehn Menschen sitzen um einen Tsch.

Darauf steht leckeres Essen.

Jesus und seine zwölf Jünger.

Sie kommen aus verschiedenen Familien.

Sie haben unterschiedliches erlebt.

Aber sie gehören jetzt zusammen.

Jesus hat sie zusammengebracht.

Den Fischer und den Handwerker.

Den Schlauen und den Einfältigen.

Den Großen und den Kleinen.

Immer noch haben sie unterschiedliche Meinungen

und unterschiedliche Hoffnungen für ihr Leben.

Aber heute sitzen sie wieder zusammen um einen Tisch.

 

Die Stimmung ist eher gedrückt.

Am Anfang herrschte eine unangenehme Stille

und keiner wollte ein Gespräch beginnen.

Sie sind da um ein Fest - das Passah-Fest - zu feiern,

aber sie sitzen da mit unterschiedlichen Gefühlen.

           

Jesus spricht zuerst.

Dann kommen sie

miteinander ins Gespräch,

in ein intensives Gespräch.

 

Sie erinnern sich

an die vergangene Zeit,

reden

über die Gegenwart

und über die Zukunft,

über die schönen Stunden,

aber auch über die Enttäuschungen,

über die Hoffnungen,

die Trauer,

die Angst,

über das Leben,

den Tod

und das Leben nach dem Tod.

 

Es gab Fragen und Antworten,

Erklärungen,

Auseinandersetzungen,

Warnungen und Mahnungen.

An manchen Stellen wurde auch geschwiegen.

 

Auch heute ist es so,

wenn wir uns um seinen Tisch versammeln

und Abendmahl feiern.

 

Wir kommen aus verschiedenen Familien.

Wir haben unterschiedliches erlebt.

Aber wir gehören jetzt zusammen.

Jesus hat uns zusammengebracht.

Den Banker und die Frisörin.

Die Schlauen und die praktisch Begabten.

Die Großen und die Kleinen.

Erwachsene und Kinder.

 

Immer noch haben wir unterschiedliche Meinungen

und unterschiedliche Hoffnungen für unser Leben.

Aber sind wir zusammen Gäste an dem einen Tisch.

 

Dieser Tisch ist wie damals, so auch heute

ein Ort der Begegnung.

An diesem Tisch wird auch heute gesprochen.

Es gibt Fragen und Antworten,

Erklärungen,

Auseinandersetzungen,

Warnungen und Mahnungen.

An manchen Stellen werden wir vielleicht auch schweigen.

Und singen.

Hier wird gegessen, getrunken

und geschmeckt

wie gut es Gott mit uns meint.

 

 

 

Biblische Erzählung: Die Emmaus-Jünger (Lukas 24,13-35)

(Nach einer Erzählung von Referentin Susanne Paetzold, Arbeitsbereich Kindergottesdienst im Michaeliskloster)

 

Im Gottesdienst wurde der Text von einigen Konfirmand:innen in Abschnitten gelesen. Andere Konfirmand:innen spielten dazu pantomimisch die Szenen.

 

 

„Jetzt ist alles vorbei“, klagte Kleopas. „Jetzt sind wir ganz allein.“ „Ja, du hast recht“, antwortete sein Freund. „Was sollen wir jetzt bloß machen?“ Kleopas und sein Freund hatten einen weiten Weg vor sich. Von Jerusalem bis nach Emmaus, wo sie hinwollten, brauchte man zu Fuß etwa 2 Stunden. Sie gingen langsam und sahen sehr traurig aus. Und das waren sie auch. Dabei hatte alles so gut angefangen...

 

Sie hatten Jesus kennen gelernt. Sofort waren sie von ihm begeistert gewesen. Jesus war anders als die Lehrer, die sie kannten. Wenn Jesus von Gott erzählte, spürte man, dass es wahr war. Und Jesus tat viele Wunder. Er machte Kranke gesund und weckte sogar Tote wieder auf.

„Vielleicht ist er wirklich der Messias, der Retter, auf den wir schon so lange warten“, hatten sie sich überlegt. Und sie waren sich fast sicher. Immer wollten sie bei Jesus bleiben. Alles war wunderbar gewesen – bis vor 3 Tagen! Jesus wurde gefangen genommen und schließlich sogar getötet. Jetzt waren sie alleine. Jetzt war Jesus nicht mehr bei ihnen.

 

Traurig gingen sie die Straße entlang und unterhielten sich darüber, was geschehen war. Sie wunderten sich nicht, als plötzlich ein Mann neben ihnen her ging, schließlich waren oft anderen Menschen hier zu Fuß unterwegs. Der Mann schien denselben Weg zu haben, also gingen sie zu dritt weiter. Die Jünger waren so traurig, dass sie gar nicht erkannten, wer da mit ihnen ging.
 

Der Fremde fragte: „Worüber redet ihr?“ Traurig blieben Kleopas und sein Freund stehen. „Weißt du nicht, was in Jerusalem geschehen ist?“, fragte Kleopas. „Alle reden doch darüber.“ „Was meinst du denn?“, wollte der Fremde wissen. Jetzt fing Kleopas an zu erzählen. „Du hast doch sicher von Jesus gehört. Er war ein Prophet. Er tat viele Wunder, machte Kranke gesund und hat sogar Tote wieder auferweckt. Wir waren dabei. Wir sind mit ihm mitgezogen und haben gehört, was er über Gott erzählt hat. Wenn er geredet hat, dann hat man gemerkt, dass er Recht hat.“


Jetzt wurde Kleopas noch trauriger. Aber es tat ihm gut, so mit diesem anderen zu reden und ihm zu erzählen, warum er jetzt so traurig war. „Vor drei Tagen ist es dann geschehen. Jesus wurde verhaftet und dann gekreuzigt. Jetzt ist Jesus tot. Er ist nicht mehr bei uns.“ Er kämpfte gegen die Tränen an. Sein Freund half ihm und erzählte weiter, was noch geschehen war: „Jetzt ist es drei Tage her. Und heute früh ist etwas Sonderbares geschehen. Einige Frauen waren beim Grab von Jesus. Aber sie haben den Körper nicht mehr gefunden, er war weg. Außerdem haben sie erzählt, dass sie Engel gesehen haben.“

 

Kleopas nickte. Wenn das nur wahr wäre, was die Frauen erzählt hatten. Der Fremde schaute die beiden Freunde an. Kleopas sprach weiter: „Ein paar von uns sind zum Grab gerannt und es war wirklich so, wie die Frauen gesagt haben, er ist nicht mehr da!“ Er schwieg und dachte daran, wie schön es war, als Jesus noch bei ihnen war.

 

Der Fremde hatte sich alles angehört. „Ihr versteht noch so wenig“, sagte er jetzt. „Warum glaubt ihr nicht, was die Propheten im Alten Testament geschrieben haben? Dort steht doch, dass der Christus leiden und sterben muss.“ Kleopas und sein Freund hörten ganz gebannt zu. Dann erklärte der Fremde ihnen alles, was im Alten Testament stand. Die Zeit verging so schnell, dass sie schon bald zuhause bei sich in Emmaus waren.

 

Der Fremde wollte weitergehen. „Komm doch mit uns nach Hause“, sagte Kleopas. „Es ist schon Abend und wird dunkel. Du kannst bei uns übernachten.“ Der Fremde nickte und dann gingen sie zusammen ins Haus. Kleopas und sein Freund waren nicht mehr so traurig wie vorher. Jetzt bereiteten sie alles fürs Abendessen vor. Als das Brot auf dem Tisch lag, setzten sie sich hin. Der Fremde nahm das Brot in die Hand. Dann dankte er Gott dafür und brach das Brot in Stücke und gab es den beiden Freunden.


Das hatte Jesus oft so getan. Und plötzlich erkannten sie, dass es Jesus selbst war, der mit ihnen am Tisch saß. „Jesus lebt wirklich!“, ging es ihnen durch den Kopf. „Er ist bei uns!“ Jesus war auferstanden, er war nicht mehr tot.

 

Kleopas und sein Freund freuten sich riesig. Aber im selben Moment war Jesus nicht mehr zu sehen. Trotzdem wussten sie jetzt, dass Jesus lebte, und nicht mehr tot war. „Eigentlich hätten wir es doch schon auf den Weg merken müssen. Es hat uns so tief berührt, als er mit uns sprach. Das konnte doch nur Jesus sein.“ „Wir müssen sofort zu den anderen“, sagte Kleopas dann. „Sie müssen doch auch wissen, dass Jesus lebt.“

 

Also aßen sie nur schnell fertig und machten sich sofort wieder auf den Weg nach Jerusalem. Wieder war es ein langer Weg zu Fuß, aber sie waren so voller Freude, dass sie ganz schnell gingen. Sie wussten, wo sich die anderen Jünger trafen. Sofort gingen sie zu ihnen und erzählten alles, was passiert war.

 

 

 

Hinführung und Gebet – mit Darreichung der Gaben durch Konfirmand:innen

 

  1. Darreichung der Gaben (Konfirmand:innen bringen Abendmahlsgerät und Gaben)

 

Ich bringe den Brotteller.
Wir gehören zusammen.

Wir sitzen an unseren Tischen
und essen gemeinsam.


Ich bringe das Brot.
Wir Konfis haben es frisch gebacken.
Es soll uns stärken und an Jesus erinnern.
Er ist das Brot, das wir zum Leben brauchen.


Ich bringe den Becher.
Als Kinder Gottes trinken wir alle
aus einem Kelch.
Er schmeckt nach Freiheit.


Ich bringe den Weintraubensaft.
Er ist uns Zeichen für Jesu Tod
und Auferstehung,
für Leid und Freude,
für Friede und Versöhnung in seinem Namen.

 

 

  1. Hinführung (Liturg:in)

 

Gott lässt uns nicht allein.

Er schenkt uns, was wir zum Leben brauchen.

Jesus lädt uns ein an seinen Tisch.

Er hat uns versprochen:

Wenn ihr in meinem Namen zusammenkommt, dann will ich bei euch sein.

 

Wir essen und trinken jetzt nur wenig.

Ein kleines Stück Brot und einen kleinen Schluck Traubensaft.

Aber das Brot und der Saft sind mehr. Sie zeigen, dass Jesus für uns da ist.

Er hat sich mit seinem Leben für uns eingesetzt.

Durch ihn gehören wir zu Gott, auch wenn wir Gott vergessen (haben).

So will er uns froh machen und uns neue Kraft geben.
 

 

  1. Gebet

 

Wir beten:
Guter Gott,
du lädst uns ein an deinen Tisch.
Lass uns ganz aufmerksam werden

und die Freude spüren, die du uns schenkst.
Dein Wort ermutigt uns neu.
Brot und Saft verbinden uns

und geben uns die Kraft,

immer wieder neu zu beginnen

miteinander und mit dir.

 

 

 

Einsetzungsworte in leichter Sprache

(Das gleichzeitige, gemeinsame Essen und Trinken findet im Rahmen der Einsetzung statt; die Spendeworte werden in die Einsetzung hineingesprochen)

 

Jesus und die Jünger saßen um den Tisch.

Da nahm Jesus das Brot.

Er dankte Gott dafür.

Er brach mehrere Stücke ab und sagte:

"Nehmt das Brot und esst alle davon.

Es ist Brot des neuen Lebens.

In diesem Brot bin ich ganz bei euch."

„Nehmt und esst vom Brot des Lebens.“

(Liturg:in isst selbst vom Brot, die Gemeinde auch)


Als alle vom Brot gegessen hatten, nahm Jesus den Kelch.

Er sprach das Dankgebet und gab den Kelch an alle weiter.

Dabei sagte Jesus:

"Nehmt und trinkt alle aus diesem Kelch.

Auch er ist ein Zeichen des neuen Lebens.

Wenn ihr davon trinkt, gehört ihr ganz zu mir.

Dann bin ich euch nah.

Feiert dieses Mahl immer wieder

und erinnert euch dann an meine Worte.

„Nehmt und trinkt vom Kelch des Heils.“

(Liturg:in trinkt selbst aus dem Kelch, die Gemeinde aus Einzelkelchen)

Dank und Fürbitte

 

1.

Gott,

wir danken dir für das tägliche Brot,

das heute miteinander

ganz besonders gut

geschmeckt hat.

 

2.

Wir danken dir,

dass du uns eingeladen hast,

an deinen Tisch,

in dein Reich.

 

3.

Wir danken dir,

dass Jesus uns kennt

und mit seinem Leben

für uns eintritt.

 

4.

Gott,

wir möchten,

dass du überall bekannt,

geehrt und geliebt wirst.

 

5.

Wir möchten,

dass niemand mehr

Angst haben muss

vor Krieg und Hunger.

 

6.

Wir möchten,

dass niemand mehr

traurig sein muss,

einsam oder krank.

 

7.

Wir möchten,

dass das Brot Jesu

so lange geteilt wird,

bis es alle erreicht

und für alle reicht.